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Legasthenie • Lese-Rechtschreibstörung • LRS

Nele ist ein aufgewecktes Kind. Im Kindergarten spielte sie immer viel draußen, basteln und malen war dagegen nicht so ihr Ding. Auf die Schule freute sie sich sehr. Schon seit der ersten Klasse sollen wir zuhause viel mit ihr üben, weil sie die Texte der Fibel auswendig lernt statt zu lesen. Dabei gibt es oft Tränen und Wutausbrüche. Nele hat sich total verändert, ist ganz still geworden und oft so traurig."

Melanie K., Mutter von Nele, 10

Mögliche Hinweise auf eine Lese-Rechtschreibstörung oder Legasthenie:


Das Kind

  • übt viel und macht dennoch viele Fehler im Diktat

  • liest sehr langsam und stockend

  • verwechselt oft ähnlich klingende Laute wie b/p, g/k,

  • hat Stress mit Hausaufgaben in Deutsch

  • ist oft scheinbar grundlos traurig

  • hat häufig Kopf- oder Bauchweh oder schläft schlecht ein

 

Legasthenie ist eine so genannte Teilleistungsstörung. Dies bedeutet, dass der für das Lesen und Schreiben zuständige Teil des Gehirns in seiner Funktion gestört ist. Diese Störung ist angeboren und hat rein gar nichts mit Dummheit oder Faulheit zu tun. Vieles deutet darauf hin, dass Legasthenie vererbt wird.

Oft haben Menschen mit Legasthenie eine andere Sinneswahrnehmung. Aufgrund der andersartigen Vernetzung einiger Nervenzellen im Gehirn hören, sehen oder fühlen sie Dinge in ihrer Umgebung anders. So kann ein Kind mit einer visuellen Wahrnehmungsstörung Probleme in der Raumorientierung (oben/unten, rechts/links) haben. Dies hat Verwechslungen von b/d, p/q, ei/ie zur Folge. Manche Kinder mit einer auditiven Wahrnehmungsstörung können möglicherweise ähnlich klingende Anlaute nicht unterscheiden (Gabel/Kabel) oder den Unterschied zwischen langen und kurzen Vokalen nicht hören (Kamm/kam).

Legasthenie ist nicht heilbar, wächst sich nicht aus und „der Knoten platzt auch nicht von allein“. Eine gezielte, individuelle Lerntherapie ist nötig, damit das Kind Lesen und Rechtschreiben lernt.

 

Der Humangenetiker Prof. Tiemo Grimm, selbst Legastheniker, sagt: „Man wird zwar immer Fehler machen, aber eben soweit lesen und schreiben lernen, dass die berufliche Laufbahn nicht gefährdet ist.“

Neben einem einfühlsamen Elternhaus brauchen diese Kinder sowohl professionelle Hilfe außerhalb der Schule als auch die Unterstützung in der Schule durch verständnisvolle Lehrkräfte und Nachteilsausgleich.

Ähnliche Symptome, aber andere Ursachen hat dagegen die Lese-Rechtschreibschwäche (LRS). Hierbei handelt es sich um eine so genannte erworbene Schwäche, die vollständig behoben werden kann. Mögliche Ursachen können Schulwechsel, längere Erkrankung, emotionale Probleme (z. B. Tod oder Trennung in der Familie) oder eine Aufmerksamkeitsstörung wie AD(H)S sein. Auch diesen Kindern kann mit einer Lerntherapie geholfen werden.

Englisch

„In der Grundschule war nur Deutsch mein Problemfach. Seitdem ich der 5. Klasse bin, ist es auch noch Englisch. Ich lerne und weiß die Vokabeln, aber im Test schreibe ich sie völlig falsch. Dann gibt es wieder eine 6 und die Lehrerin sagt, ich soll mehr üben. Ich finde das total ungerecht. Wozu soll ich denn überhaupt noch üben? Ich lern das sowieso nie!"

Julian, 11 Jahre

Mögliche Hinweise auf eine Lese-Rechtschreibschwäche in Englisch:


Das Kind

  • weiß die Vokabeln, kann sie aber nicht richtig schreiben

  • schreibt englische Wörter lautgetreu (isi = easy)

  • ist noch nicht vertraut ist mit der englischen Aussprache von w, th, r

 

Ein Kind, das Lese-Rechtschreibschwierigkeiten in Deutsch hat, tut sich oft auch mit dem Englischen schwer. Hat es in Deutsch gerade mühsam gelernt, lautgetreu zu schreiben und zu lesen, begegnen ihm in der englischen Sprache nun völlig neue Verbindungen zwischen dem geschriebenen und dem gesprochenen Wort. So kann allein der lange i-Laut im Englischen in vielfacher Weise geschrieben werden:

see, tea, key, police, happy, believe, she, ceiling.

 

Wen wundert es, wenn das Kind die Sprache als verwirrend und chaotisch empfindet. Bald verliert es die Lust an der Sprache und leider allzu oft auch den Anschluss an das Lernziel. Es ist wichtig, das Kind möglichst frühzeitig zu unterstützen, damit es eine Struktur in der Sprache erkennt und größere Lerndefizite gar nicht erst entstehen können.

Zeichnung Kinder lesen - © cirodelia/stock.adobe.com