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Dyskalkulie • Rechenstörung • Rechenschwäche

In allen Fächern ist Till ein guter Schüler – nur nicht im Rechnen. Noch in der 2. Klasse zählte er Aufgaben wie 4 + 7 mühsam an den Fingern ab. Jetzt in der 3. Klasse ist er mit den großen Zahlen hoffnungslos überfordert. In Mathearbeiten bekommt er immer eine 5 oder 6. Till hat schon richtig Panik davor, kann am Abend vorher nicht einschlafen und hat morgens Bauchweh."

Henrik W., Vater von Till, 8

Mögliche Hinweise auf eine Rechenstörung oder Dyskalkulie:

 

Das Kind

  • rechnet zählend und benutzt dabei Finger oder andere Hilfsmittel

  • kann Vorgänger und Nachfolger nicht benennen

  • hat Probleme beim Zehner- oder Hunderterübergang

  • hat keine Vorstellung von Mengen, Zeit, Maßen und Längen, Gewichten

 

Kinder mit einer Rechenschwäche oder einer Rechenstörung (Dyskalkulie) haben meist große Schwierigkeiten, sich Zahlen und Mengen sowie Zeit- und Maßeinheiten vorzustellen. Sie zählen noch lange über den vorgesehenen Zeitraum hinaus mit den Fingern, wobei sie dies fast immer geschickt verbergen. Deshalb wird die Rechenstörung häufig erst um die dritte Klasse offensichtlich, wenn die Zahlenräume so groß werden, dass Ergebnisse nicht mehr an den Fingern abgezählt werden können.

Schon als jüngere Kinder mögen sie oft Spiele nicht, die das räumliche Vorstellungsvermögen beanspruchen oder bei denen abgezählt werden muss. Häufig haben sie Probleme in der räumlichen und zeitlichen Orientierung. Vergleiche wie größer/kleiner, länger/kürzer, vorher/nachher fallen ihnen schwer.

Was am Nachmittag zu Hause geübt wurde, scheint am nächsten Tag in der Schule wieder vergessen zu sein. Dies führt nicht selten dazu, dass die Lehrkraft den Willen oder die Intelligenz des Kindes anzweifelt. Wegen der ausbleibenden Erfolge ist das Kind entmutigt und vermeidet alles, was mit Rechnen oder Mathematik zu tun hat. Das viele Üben belastet das gesamte Familienleben und  erzeuget meist nur weitere Misserfolge, die das Kind immer tiefer in einen Teufelskreis hineinziehen.

Grundlage der Lerntherapie ist die qualitative Diagnostik, bei der auch richtig gelöste Aufgaben hinterfragt werden. Denn auch ein richtiges Ergebnis kann auf einer falschen Rechenstrategie basieren. Ziel der Lerntherapie ist es, diese falsche Strategie zu erkennen und zu korrigieren. Dadurch wird der Aufbau der mathematischen Kompetenz behutsam und kleinschrittig erarbeitet. So erzielt das Kind schnell erste kleine Erfolge und traut sich wieder mehr zu. Die Stärkung des Selbstvertrauens steigert die Lernmotivation und die Lernfreude.

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